„Über die Lobeshymne zur Lehrerbildung von Bildungsminister Matschie muss man sich sehr wundern. War es doch auch die SPD-Fraktion, welche noch vor zwei Jahren gemeinsam mit der LINKEN eine grundlegende Umgestaltung und Modernisierung der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern gefordert hatte. Seitdem ist aber nichts passiert“, sagt Susanne Hennig, für Fragen der Lehrerbildung verantwortliche Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE, in Reaktion auf eine Pressemitteilung aus dem Kultusministerium.
Im März 2008 wurde das erste Thüringer Lehrerbildungsgesetz unter heftigem Protest und mit den Gegenstimmen von LINKE und SPD beschlossen. Zweieinhalb Jahre später bejubelt nun SPD-Minister Matschie die Lehrerausbildung in Thüringen, obwohl alle damals kritisierten Sachverhalte trotz massiver Einwände von Bildungsexperten und Gewerkschaften bis heute weder angegangen noch überwunden wurden. Noch immer wird die Lehrerausbildung durch das fatale Prinzip „kurze Beine - kurze Ausbildung“ bestimmt. Angehende Regelschullehrer aber insbesondere Grundschullehrer erhalten an den Hochschulen in Thüringen eine kürzere Ausbildung, in deren Folge auch ihre spätere Dienststellung und ihr Einkommen geringer ausfallen. „Die so oft beschworene hohe Bedeutung der frühkindlichen Bildung wurde und wird damit in keinem Fall Rechnung getragen“, sagt Frau Hennig.
Aber auch die Überwindung der in Thüringen bestehenden schulartspezifischen Lehrerausbildung, welche sowohl von der Linksfraktion als auch von der SPD seit Jahren gefordert wird, scheint für Minister Matschie kein relevantes Thema mehr zu sein. Um aber das längere gemeinsame Lernen in Thüringen konsequent einzuführen, bedarf es einer Reform der Lehrerausbildung. Wenn aber Minister Matschie die frühe Trennung der Schüler in unterschiedliche Schularten wirklich überwinden will, muss er auch die unterschiedliche Ausbildung von Lehrern für die Klassen 5 bis 10 (Regelschullehrer vs. Gymnasiallehrer) überwinden. „Wir brauchen insbesondere für die Klassenstufen 5 bis 10 Lehrerinnen und Lehrer, die ausgebildet sind im Umgang mit heterogen zusammengesetzten Klassen und die die dazu notwendigen Fähigkeit zur Integration und individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers besitzen“, konstatiert Frau Hennig.